Fast Food (ファストフード)

Wie in jedem Land, gibt es auch in Japan diverse Fast Food Produkte und Restaurants, nicht zu vergessen die 24 Stunden geöffneten Convenience Stores. Doch was genau gibt es eigentlich und wann wurden die Produkte in Japan eingeführt? Das und vieles mehr erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Die Einführung schneller und einfacher Gerichte in Japan fand vor allem nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg ab 1945 statt. In der darauf folgenden Besatzung durch die amerikanische Regierung, wurden die Folgen des Krieges (Hungersnöte, Unterversorgung etc.) durch Hilfe aus dem Ausland kompensiert. So kam es zu einer zunehmenden "Verwestlichung" (洋風化 - yōfūka), die vor allem in den Schulen Anklang fand. Da der Geschmackssinn von Kindern und Jugendlichen sich noch in einer beeinflußbaren Phase befand, kamen westliche Produkte im Sinne einer Schulspeisung besonders bei dieser Altersgruppe sehr gut an, während sich die ältere Generation zunächst noch auf traditionelle Gerichte besan. Dennoch waren es eben diese Kinder und Jugendlichen, die für die Entwicklung der Fast Food Industrie relevant waren. Zusätzlich kam es 1958 mit der Einführung des Reiskochers als erstes elektrisches Küchengerät zu einem Wendepunkt in der Versorgung und technischen Zubereitunsmöglichkeiten. Dieses Jahr wird mitunter auch als „Jahr 1 der Elektrifizierung der Haushalte“ (電化元年 - denka gannen) bezeichnet.

1953 entsteht der erste Supermarkt nach US-amerikanischen Vorbild im Stadtteil Aoyama, Tōkyō. Innerhalb der nächsten zehn Jahre entstehen 3000 weitere. Bereits 1958 kommt es dann zur Einführung der ersten Instantprodukte: Nudelsuppen von Nissin Shokuhin, die den Beginn des Konsums von Convenience Produkten ausmachen. Ende der 1980er entstehen Mini-Nudelsuppen im Becher (mini kappu men), ab 1995 werden auch Familienpackungen diverser Gerichte angeboten. Mit den Convenience Stores (コンビニエンスストア oder kurz Conbini コンビニ) kommen auch die ersten Fast Food Ketten nach Japan. Es wird außerdem zum Anliegen Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Reis als Hauptnahrungsmittel geht seit den 1960ern zurück, 1986 werden nur noch knapp die Hälfte der täglichen Kalorien durch Reis aufgenommen. Haushaltszeitschriften wie "der Freund der Hausfrau" (主婦の友 - shufu no tomo) mit Modellmenüs und Empfehlungen von Brot werden populär. Außerdem kommen Propagandasprüche wie „Wenn man nur Reis isst, wird man dumm“ oder „Brotmahlzeiten sind gut für’s Denkvermögen“ im Umlauf. Die herkömmliche Mahlzeitenstruktur mit Hauptgericht Reis und Nebengerichten bzw. Beilagen löst sich langsam auf, das Verhältnis wird ausgewogener und Nebengerichte gewinnen an Bedeutung - besonders durch zunehmenden Konsum von Fleisch.

Ab den 1960ern werden Produkte im retoruto (レトルト) Verfahren produziert. In diesem Verfahren werden zu konservierende Lebensmittel in spezielle hitzebeständige Beutel gefüllt und dann hermetisch versiegelt. Das erste Produkt dieser Art ist die Curry-Sauce „Bon karee“ der Firma Ōtsuka Shokuhin. Convenience Stores erweitern ab den 1970ern stets ihre Produktpalette - mit zum Beispiel Tiefkühlprodukten und Bentō. Die seit 1974 eingeführte Kette Seven Eleven erweist sich dabei bis heute als umsatzstärkste mit den meisten Filialen. Von anfänglich 15 Filialen im Jahr 1974 erhöhte sich die Anzahl bis 1990 auf das annähernd Dreihundertfache. Der höchste Umsatz wurde dabei mit dem Verkauf von Fast Food Gerichten erzielt. Weitere sogenannte "Conbini" Ketten sind beispielsweise Family Mart und Lawson.

Zu Beginn der 1970er werden schließlich die Fast Food Ketten eingeführt. 1967 eröffnet mit Sapporo Ramen eine Kette für Nudelsuppen-Schnellrestaurants, die innerhalb eines Jahres auf 100 Filialen anwächst. Im selben Jahr eröffnet ebenfalls das erste „Fließband-Sushi Restaurant“, 1969 kommt Royal Host nach Japan, 1970 Skylark sowie Kentucky Fried Chicken, Mr. Donut und Whimpy Burger. 1971 folgt McDonalds, 1974 Pizza Hut, Denny’s usw. Zu dieser Zeit gibt es auch bereits ausschließlich mit einheimischen Kapital finanzierte Fast Food Ketten wie MOS Burger und Lotteria, sowie Bentō-Ketten wie Hokka Hokka Tei und Pizza Heimlieferservices. Seit 1992 ist McDonalds die umsatzstärkste Restaurantkette, die 1997 allein 457 Filialen eröffnete und 1998 bereits an die 2500 Restaurants besaß. Auf japanische Gerichte spezialisierte Restaurants nehmen ab, Cafés und Restaurants sowie Fast Food- und Family Restaurants nehmen zu. Diese sind aufgrund ihrer hellen Atmosphäre, der informellen Gestaltung und Transparenz der Preise besonders bei Jugendlichen beliebt. Dennoch ist das Fast Food in Japan durchaus dem japanischen Geschmack angepasst und nicht mit westlichen Gerichten gleichzusetzen. Den beliebten Teriyaki Burger von beispielsweise McDonalds oder MOS Burger gibt es beispielsweise nur in Japan. Der Umsatz von verzehrfertigen Lebensmitteln ist von 1988 bis 1991 um 98,2 % gestiegen, die Ausgaben für Fertigprodukte stiegen von 1974 bis 1994 von ca. 20.000 Yen auf über 80.000 Yen an. Zwei ironische Wortspiele aus der Mitte der 1980er Jahre beschreiben den zunehmenden häuslichen Konsum von Convenience Produkten und zeigen die Beliebtheit gewisser Produkte:

Heute lässt sich zwar einerseits ein fortschreitender Verlust von Wissen im Bezug auf die Zubereitung von Mahlzeiten sowie abnehmende Zeit für deren Zubereitung feststellen. Dennoch gibt es andererseits auch viele junge Leute, die sich dafür interessieren. Kochen als Hobby wird zunehmend populärer. 1990 geben 45,2% der Frauen an wenigstens einmal eine Kochschule besucht zu haben. Dennoch ziehen auch die Fast Food Ketten mit "gesundheitsbewussten" Lebensmitteln nach und versuchen so neue bzw. noch mehr Kunden anzulocken. Einerseits werden mehr und mehr ausländische Gerichte eingeführt und verzehrt, andererseits wird wieder mehr Wert auf die traditionelle regionale Küche gelegt. Fakt ist jedoch, dass immer mehr Mahlzeiten außer Haus eingenommen werden. Der Hamburger (ハンバーグ - hanbāgu) gilt beispielsweise als Statussymbol und ein Cafébesuch als besonders schick. Essen wird immer mehr zur Freizeitbeschäftigung, bei der man auch neue Leute kennen lernen kann, was besonders für Singles und Jugendliche attraktiv ist. 1995 isst durchschnittlich jeder vierte Japaner außer Haus. Die beliebtesten Gerichte sind dabei zum Beispiel Spaghetti, Hamburger und chin. Nudelsuppen. Gerade bei der älteren Generation (30+) sind aber ebenso japanische Gerichte wie Sushi, Soba und Udon beliebt. Aufgrund unterschiedlicher Tagesabläufe und zunehmender Erwerbstätigkeit der Frau ist es ebenfalls innerhalb der Familie oft nicht mehr möglich gemeinsam zu essen, sodass sich jeder nach seinen individuellen Bedürfnissen orientieren muss. Auch in Japan gilt somit: Auswärts essen ist günstiger, schneller, flexibler und dementsprechend für viele Menschen attraktiv.

Beliebte Fast Food Gerichte 1995 nach Schmidtpott (1998)

Altersgruppe Platz 1 Platz 2 Platz 3 Platz 4 Platz 5
15-19 Hamburger Desserts Spaghetti frittierte Kartoffeln chin. Nudelsuppen
20-29 Spaghetti chin. Nudelsuppen Hamburger Desserts frittierte Kartoffeln
30-39 chin. Nudelsuppen Spaghetti donburi Frikadellen udon, soba
40-49 chin. Nudelsuppen sushi chin. Spezialitäten Steak, udon, soba -
50+ chin. Nudelsuppen sushi Fisch, Meeresfrüchte chin. Spezialitäten -

Quelle: Schmidtpott (1998)